Ja. Gelenk- und Muskelschmerzen sind anerkannte Symptome der Perimenopause und der Wechseljahre, und sie gehören zu den häufigsten: Eine Metaanalyse fand bei etwa 71 % der Frauen in der Perimenopause Schmerzen im Bewegungsapparat. Sinkende und schwankende Östrogenspiegel werden mit den Schmerzen in Verbindung gebracht, ein direkter ursächlicher Zusammenhang ist aber nicht nachgewiesen. Neue Gelenkschmerzen können auch andere Ursachen haben. Schwellung, Überwärmung, lange Morgensteifigkeit oder Schmerzen nach einer Verletzung solltest du deshalb immer ärztlich abklären lassen.

Warum schmerzen Gelenke und Muskeln in den Wechseljahren?
Östrogen hilft, fast jedes Gewebe des Bewegungsapparats im Gleichgewicht zu halten – von Knorpel und Sehnen bis zu Muskeln und Knochen. Sinkt der Spiegel, bemerken viele Frauen mehr Schmerzen, mehr Steifheit und eine langsamere Erholung.
Gelenkgewebe besitzt Östrogenrezeptoren, und Östrogen trägt dazu bei, Knorpel, Bänder und Muskeln zu erhalten. Forschende beschreiben Östrogen außerdem als Regulator von Entzündungen, der dabei mitwirkt, generalisierten Gelenkschmerzen vorzubeugen. Deshalb fassen manche Fachleute diese Veränderungen inzwischen unter einem Namen zusammen, dem muskuloskelettalen Syndrom der Menopause: Gelenkschmerzen, Verlust an Muskelmasse, Knochenschwund, Sehnen- und Bänderprobleme, Schultersteife (Frozen Shoulder) und das Fortschreiten einer Arthrose.
Hier lohnt es sich, genau zu sein. Der Zusammenhang zwischen Wechseljahren und Gelenkschmerzen ist deutlich, ein direkter ursächlicher Zusammenhang zwischen Östrogenverlust und Gelenkschmerzen oder Arthritis ist jedoch nicht nachgewiesen. Hormone sind ein Teil des Bildes, nicht das ganze Bild.
Drei weitere Faktoren aus dem Alltag kommen hinzu:
- Muskeln. Nach der Menopause nehmen Muskelmasse und Kraft schneller ab – eine Übersichtsarbeit beziffert den Verlust an Muskelmasse auf etwa 0,6 % pro Jahr. Schwächere Muskeln stützen die Gelenke weniger. Mehr dazu in Krafttraining in den Wechseljahren.
- Schlaf. Schlechter Schlaf sagt neue oder stärker werdende Schmerzen zuverlässig voraus – in Studien sogar besser, als Schmerzen schlechten Schlaf vorhersagen. Die Wechseljahre stören oft den Schlaf, sodass sich beides gegenseitig verstärken kann.
- Körpergewicht. In der Perimenopause und den Wechseljahren nehmen viele Frauen zu, und zusätzliches Gewicht erhöht die Belastung der Gelenke und das Arthroserisiko.
Wo zeigen sich Gelenkschmerzen in den Wechseljahren meistens?
Eine einzige typische Stelle gibt es nicht. Frauen berichten von Schmerzen in Händen, Knien, Hüften, Schultern und im unteren Rücken, oft in mehreren Gelenken gleichzeitig.
Einige Muster solltest du kennen:
- Mehrere Gelenke gleichzeitig. Schmerzen in mehreren Gelenken haben einen medizinischen Namen: Polyarthralgie. Der Begriff beschreibt den Schmerz, nicht seine Ursache.
- Knie, Hüften und die kleinen Fingergelenke sind die Stellen, an denen Arthrose am häufigsten Beschwerden macht – und Arthrose kommt bei Frauen häufiger vor als bei Männern.
- Schulter. Eine Schultersteife wird ab 40 wahrscheinlicher, besonders bei Frauen. Die Schmerzen können nachts stärker sein und den Schlaf stören. Die Schultersteife gehört zu den Beschwerden, die mit dem muskuloskelettalen Syndrom der Menopause in Verbindung gebracht werden.
- Unterer Rücken. Einige Studien bringen die Perimenopause mit häufigeren Kreuzschmerzen in Verbindung, die Datenlage ist hier aber schwächer als bei Gelenkschmerzen allgemein.
Sind es die Wechseljahre oder etwas anderes? Wann solltest du zum Arzt gehen?
Die Wechseljahre können Schmerzen und Steifheit erklären, aber nicht alles. Ein geschwollenes oder überwärmtes Gelenk, Steifheit, die nach dem Aufwachen länger als 30 Minuten anhält, oder Schmerzen nach einer Verletzung sollten ärztlich untersucht werden.
Der britische Gesundheitsdienst NHS nennt diese Anzeichen:
Geh zu deiner Ärztin oder deinem Arzt, wenn:
- deine Gelenke nach dem Aufwachen länger als 30 Minuten steif sind;
- sich die Schmerzen nach zwei Wochen Selbstbehandlung zu Hause nicht gebessert haben;
- Rückenschmerzen nachts schlimmer werden oder du ungewollt abgenommen hast.
Hol dir noch am selben Tag dringend ärztlichen Rat, wenn:
- ein Gelenk geschwollen ist und sich die Haut darum heiß anfühlt;
- du Gelenk- oder Rückenschmerzen hast und dich allgemein krank fühlst, hohes Fieber hast oder dir heiß, kalt oder fröstelig ist.
Hol dir Notfallhilfe, wenn:
- du nach einem Sturz oder einer Verletzung sehr starke Gelenkschmerzen hast oder nicht gehen oder ein Gelenk nicht belasten kannst;
- du Rückenschmerzen mit Schwäche, Kribbeln oder Taubheit in beiden Beinen hast, das Gefühl im Genital- oder Gesäßbereich nachlässt oder sich deine Blasen- oder Darmfunktion verändert.
Die Morgensteifigkeit ist ein nützlicher Hinweis. Bei Arthrose lässt sie meist innerhalb von 30 Minuten nach dem Aufstehen nach; bei rheumatoider Arthritis hält sie oft länger an, und häufig sind dieselben Gelenke auf beiden Körperseiten betroffen. Nur eine Ärztin oder ein Arzt kann diese Erkrankungen voneinander unterscheiden. Wenn du unsicher bist, ob eine Veränderung überhaupt zur Perimenopause gehört, findest du in Ist das die Perimenopause — oder steckt etwas anderes dahinter? weitere häufige Erklärungen.
Hilft Bewegung bei Gelenkschmerzen, oder macht sie es schlimmer?
Bewegung ist in der Regel besser als Schonung. Gesundheitsleitlinien raten, bei Rücken- und Gelenkschmerzen aktiv zu bleiben, und Training ist ein zentraler Bestandteil der Arthrosebehandlung.
Was die Empfehlungen sagen:
- In Bewegung bleiben. Bei Rückenschmerzen rät der NHS, aktiv zu bleiben und den Alltag weiterzuführen; auch Gehen, Schwimmen, Yoga und Pilates können helfen. Bei Gelenkschmerzen rät er davon ab, das betroffene Gelenk gar nicht mehr zu bewegen.
- Kraft aufbauen. Für Erwachsene empfiehlt der NHS mindestens 150 Minuten moderate Bewegung pro Woche und an mindestens zwei Tagen pro Woche kräftigende Übungen. Stärkere Muskeln stützen die Gelenke und bremsen den oben beschriebenen Muskelabbau.
- Anfangs mit etwas Unbehagen rechnen. Das britische Institut NICE weist darauf hin, dass Gelenkschmerzen zu Beginn eines Trainings zunehmen können und regelmäßige Bewegung trotzdem empfohlen wird. Fang sanft an und steigere dich Schritt für Schritt.
- Wissen, wann eine Pause und ein Arztbesuch angesagt sind. Wird ein Gelenk geschwollen und heiß oder lassen die Schmerzen nach zwei Wochen nicht nach, ist das ein Grund, zum Arzt zu gehen, statt einfach weiterzumachen.
Ein umfassenderes Bild davon, wie du dich in dieser Lebensphase bewegen kannst, findest du in Sport in den Wechseljahren.
Was kannst du im Alltag sonst noch beeinflussen?
Schlaf, eine muskelfreundliche Ernährung und das Körpergewicht wirken sich darauf aus, wie stark die Gelenke schmerzen – und auf jeden dieser Faktoren kannst du im Alltag Einfluss nehmen.
- Schlaf. Weil schlechter Schlaf mehr Schmerzen vorhersagt, gehört guter Schlaf zur Pflege deiner Gelenke dazu.
- Eiweiß. Muskeln brauchen genug Eiweiß, um durch Krafttraining stärker zu werden. Wie viel Frauen ab 40 brauchen, erfährst du in Proteine ab 40.
- Körpergewicht. Bei Menschen mit Arthrose und Übergewicht verbessert eine Gewichtsabnahme laut NICE die körperliche Funktion und lindert Schmerzen. Das solltest du gemeinsam mit deiner Ärztin oder deinem Arzt planen – es ist kein Ziel, dem du allein hinterherjagen musst.
Was solltest du über deine Gelenkschmerzen aufschreiben?
Notiere, welches Gelenk wann und wie stark schmerzt und was davor war – Schlaf, Aktivität und wo du gerade in deinem Zyklus stehst. Muster lassen sich leichter erkennen und in der Arztpraxis leichter erklären, wenn sie aufgeschrieben sind.
Diese Angaben lohnen sich:
- Wo: welches Gelenk oder welcher Bereich, eine Seite oder beide;
- Wann: morgens, abends, nachts; wie lange die Morgensteifigkeit anhält;
- Wie stark: leicht, mäßig, stark;
- Was davor war: eine schlechte Nacht, langes Sitzen, ein Training, ein langer Spaziergang;
- Zyklus: falls du noch deine Periode hast, ob sich die Schmerzen um sie herum häufen;
- Etwas Neues: Schwellung, Überwärmung, Rötung, Fieber – das gehört in einen Arzttermin, nicht nur ins Tagebuch.
In der Menoup-App kannst du Gelenkschmerzen, Muskelschmerzen und Rückenschmerzen als Symptome erfassen, optional mit Intensität, Auslöser (zum Beispiel Schlafmangel, Bewegungsmangel oder Periode) und Dauer. Für Schlaf und Zyklus gibt es das Schlaftagebuch und das Zyklustagebuch, und Trainings lassen sich aus Apple Health oder Health Connect importieren. So stehen die Schmerzen direkt neben den Dingen, die sie beeinflussen könnten.
Was solltest du deine Ärztin oder deinen Arzt fragen?
Nimm deine Notizen und ein paar klare Fragen mit, damit der Termin mit einem Plan endet und nicht mit einer Vermutung.
Fragen, die du mitnehmen kannst:
- Könnten meine Gelenk- oder Muskelschmerzen mit der Perimenopause oder den Wechseljahren zusammenhängen?
- Gibt es Anzeichen für Arthritis oder eine andere Erkrankung, die abgeklärt werden sollten, und brauche ich Untersuchungen?
- Sollte meine Morgensteifigkeit genauer untersucht werden?
- Welche Art von Bewegung ist für mich gerade sicher, und sollte ich zur Physiotherapie gehen?
- Könnten mein Schlaf, mein Gewicht oder Medikamente, die ich nehme, eine Rolle spielen?
- Bei welchen Veränderungen sollte ich früher wiederkommen?
Häufig gestellte Fragen
Kann die Perimenopause Kreuzschmerzen verursachen?
Möglicherweise. Eine Übersichtsarbeit ergab, dass Frauen mit dem Beginn der Perimenopause häufiger über Kreuzschmerzen berichteten. Die Datenlage ist aber schwächer als bei Gelenkschmerzen insgesamt, und Rückenschmerzen haben viele andere Ursachen. Rückenschmerzen mit Taubheit oder Schwäche in den Beinen oder mit Veränderungen bei der Blasen- oder Darmkontrolle brauchen sofort Notfallhilfe.
Sind Muskelschmerzen ein Symptom der Perimenopause?
Ja. NHS und NICE führen Muskelschmerzen unter den Symptomen der Wechseljahre auf, und Muskelmasse und Kraft nehmen nach der Menopause schneller ab. Häufig beschreiben Frauen, dass Schmerzen nach körperlicher Aktivität länger anhalten als früher.
Warum tun mir in der Perimenopause die Hüften weh?
Hüftschmerzen können zu den Gelenkschmerzen der Wechseljahre gehören. Die Hüfte ist aber auch eines der Gelenke, die am häufigsten von Arthrose betroffen sind, und Arthrose ist bei Frauen häufiger. Schmerzen, die dich am Gehen hindern, nach einem Sturz auftreten oder mit einer Morgensteifigkeit von mehr als 30 Minuten einhergehen, solltest du ärztlich abklären lassen.
Was ist Polyarthralgie?
Polyarthralgie bedeutet einfach Schmerzen in mehreren Gelenken gleichzeitig. Der Begriff beschreibt, was du spürst, nicht warum. Polyarthralgie kann rund um die Wechseljahre auftreten, aber auch bei anderen Erkrankungen – deshalb sollten anhaltende Schmerzen in mehreren Gelenken ärztlich untersucht werden.
Zuletzt aktualisiert: 10. Oktober 2026
Medizinischer Hinweis: Dieser Artikel dient ausschließlich Informationszwecken und ersetzt keine professionelle medizinische Beratung. Wenn du schwere, anhaltende oder beunruhigende Symptome hast, wende dich an deine Ärztin, deinen Arzt oder eine andere medizinische Fachkraft.
Quellen
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- NHS. Symptoms of menopause.
- The Menopause Society. Menopause symptoms.
- The Menopause Society. Sleep apnea and joint pain (press release, 2 March 2022).
- Wright VJ, Schwartzman JD, Itinoche R, Wittstein J. The musculoskeletal syndrome of menopause. Climacteric. 2024;27(5):466–472.
- Lu CB, et al. Musculoskeletal Pain during the Menopausal Transition: A Systematic Review and Meta-Analysis. Neural Plasticity. 2020;2020:8842110.
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- Kozinoga M, Majchrzycki M, Piotrowska S. Low back pain in women before and after menopause. Prz Menopauzalny. 2015;14(3):203–207.
- Finan PH, Goodin BR, Smith MT. The association of sleep and pain: an update and a path forward. Journal of Pain. 2013;14(12):1539–1552.
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- NHS. Physical activity guidelines for adults aged 19 to 64.
- NICE. Osteoarthritis in over 16s: diagnosis and management (NG226).
- MSD Manual Professional Version. Pain in multiple joints.
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